Luca Meyer
Eine Sozialarbeiterin verschriftlicht retroperspektiv einen Fall: Luca wurde bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugeordnet, hinterfragt dies jedoch circa seit dem 13. Lebensjahr und strebt seither ein Leben als Mann an. Die Mutter von Luca unterstützt dies nicht und meint es „sei nur eine Phase“ – das Hauptaugenmerkt liegt für sie auf der beruflichen Zukunft von Luca, da diese den Hauptschulabschluss absolviert hat. Da sich die Mutter zunehmend Sorge um die Stimmungslage, das Gewicht und selbstverletzendes Verhalten von Luca macht, meldet sie sich beim Jugendamt und bittet um Unterstützung durch eine:n Erziehungsbeiständ:in.
Luisa Vogt
Die 22-jährige Biografin Luisa Vogt erzählt ihre Geschichte, die durch die Unterstützung der Kinder- und Jugendhilfe geprägt ist. Sie wird im Jahr 2001 geboren, ihre Mutter verlässt die Familie als Luisa noch ein Kleinkind ist und kehrt in ihr Heimatland Vietnam zurück, wo sie später verstirbt. Als Luisa 6 Jahre alt ist, begeht ihr Vater Suizid.
Luka Schneider
Eine Fachkraft des betreuten Wohnens und eine Pflegefachkraft der Psychatrie berichten unabhängig voneinander über einen Fall: Luka Schneider (*1978) wurde ein Jahr vor dem Interview an das ambulante betreute Wohnen vermittelt. Er lebt mit psychischen Erkrankungen, einer Behinderung sowie zyklischen Drogenrückfällen. Als Kind wurde er durch seinen Vater misshandelt. Nach dem Tod seiner Mutter wuchs er im Heim auf. Kontakt zu seiner Familie hat er nicht mehr. Früh begann er mit Drogenkonsum und Dealerei, verlor seine Wohnung und seine Ausbildung und war drei Jahre obdachlos. Eine Inhaftierung und Haftstrafe von sieben Jahren erfolgt aus unterschiedlichen Gründen. Luka Schneider möchte, sobald sich seine psychische Verfassung stabilisiert hat, eine besondere Wohnform in einer anderen Stadt anstreben und arbeiten.
Malik Yilmaz
Die Fallbeschreibung fasst die von Malik erzählte Geschichte seiner Kindheit und Jugend zusammen. Sie ist geprägt durch eine ADHS Diagnose, mehrere Schulwechsel, Kontakt mit unterschiedlichen Akteuren der Kinder- und Jugendhilfe, eine zwangsweise Einweisung in die Psychiatrie, den Rauswurf aus dem Elternhaus und vorübergehende Wohnungslosigkeit und die Suche nach Zugehörigkeit.
Mandy Faber
Im Interview berichtet ein Schulsozialarbeiter von einer Betreuungshilfe mit der transidenten Jugendlichen Mandy, die durch Schulabsentismus auffällig wird. Mandy lebt in prekären Verhältnissen, die Mutter akzeptiert die Transition von Marc zu Mandy nur schwer.
Maria Becker
Lukas Krahl, Mitarbeiter eines Integrationsfachdienstes (Beratungsstelle zum Thema Arbeit und Schwerbehinderung), erzählt, am Beispiel der Klientin Maria Becker, den Ablauf und die Aufgaben eines Verfahrens des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM). Bei Maria Becker wurde eine psychische Erkrankung diagnostiziert, die zu Phasen der Arbeitsunfähigkeit führte. Finanzielle und persönliche Probleme belasten sie zusätzlich. Lukas Krahl begleitet zum einen den Prozess der Wiedereingliederung und macht sie auf weitere Unterstützungsangebote aufmerksam.
Mark Heß und Emma Wilt
Eine Studierende beschreibt im Rahmen ihres Studiums Sozialer Arbeit den Fall von Mark Heß (14) und Emma Wilt (5), die in einer Wohngruppe leben. Eine Fachkraft entdeckt Mark und Emma nackt in Marks Zimmer. Beide erzählen, dass es einen Penetrationsversuch gab, den sie nicht gewollt haben. Das Team sucht einen Umgang mit der Situation.
Matej Beran
In Zusammenarbeit mit der HS Kempten wird ein Fall im Rahmen einer Erhebung des Fallarchivs verschriftlicht: Matej Beran ist 17 Jahre alt und besucht seit er 10 Jahre alt ist regelmäßig ein Jugendzentrum in einer Großstadt. In der Fallbeschreibung werden weitere Informationen über seine Familie, seine Hobbies sowie sein „delinquentes Verhalten“ dargestellt. Handlungsweisen der Fachkräfte werden u. a. im Umgang mit Matjes Regelverstoß (Cannabiskonsum) sichtbar: Aufgrund dieses wird ihm ein zweimonatiges Hausverbot ausgesprochen.
Mika und Dani Soren
Eine Studierende der Sozialen Arbeit beschreibt den Fall der Brüder Mika und Dani Soren, die aufgrund familiärer Gewalt im Rahmen einer Inobhutnahme in einer vollstationären Wohngruppe aufgenommen werden. Im weiteren Verlauf kommt es zu Konflikten und (körperlichen) Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern, aber auch zwischen Mika und den anderen Kindern und Fachkräften der Einrichtung.
Nassima Bouziane
Eine Sozialarbeiterin der Wohnungslosenhilfe (Jessica Evans) schildert den Unterstützungsprozess einer Frau, die in ihrer aus Algerien arrangierten Ehe häusliche Gewalt erlebt. Durch ihre Hausärztin wird sie an eine Bekannte vermittelt, bei der sie zunächst unterkommt und die den Kontakt zur Wohnungslosenhilfe herstellt. Die Unterstützung umfasst unterschiedliche Themen und Hilfestellungen, die von Wohnungssuche, ambulantes betreutes Wohnen, Beantragung des Aufenthaltsrechts in Deutschland, bis Bürgergeld, Therapien oder die Begleitung zur Opferschutzberatung hinreichen. Dabei geht es immer wieder um Sprachbarrieren aufgrund eingeschränkter Deutschkenntnisse.
Nico Staab
Im Rahmen eines Praktikums in einer Großstadt in einem offenen Freizeittreff für Menschen im Alter von 11 bis 15 Jahren verschriftlicht ein Student einen Fall: Nico (15 Jahre alt) ist ein regelmäßiger Besucher des offenen Freizeittreffs. Er fällt hier durch rassistische Bemerkungen, lautes und grenzverletzendes Verhalten sowie einer hohen Gewaltbereitschaft auf. Letztere mündete u. a in einen schulischen Vorfall, der sowohl eine Strafanzeige als auch einen Verweis zur Folge hatte. Seit acht Monaten besteht keine schulische Anbindung mehr. Staatliche Stellen sind eingebunden.
Renee Altmeier
Die Beraterin eines Projekts zur Wiedereingliederung von jungen Straffälligen schildert den Fall von Renee Altmeier. Der 27-Jährige hat eine abgeschlossene Ausbildung, war aufgrund einer Schizophrenie-Diagnose über längere Zeit krankgeschrieben und ist arbeitssuchend. Er ist außerdem wegen eines BtM-Deliktes verurteilt worden und auf Bewährung. Die Beratung endet mit dem Ender der Projektlaufzeit, während sich Renee noch in einer mehrmals verlängerten Probezeit befindet.
Sayra Moradi
Der Sozialarbeiter vom Betreuten Wohnen, Jakob Wissel, skizziert den Verlauf eines Falls, bei dem die etwa dreißigjährige iranische Sayra Moradi den Weg von ihrer Ohnmacht zur Selbstbefähigung geht. Sayra Moradi hat verschiedene Gewalttaten und Traumata erlebt, darunter Vergewaltigungen, Kriegs- und Fluchterfahrungen sowie eine Fehlgeburt. Probleme mit der Wirbelsäule, Adipositas und Gebissprobleme veränderten sich ebenfalls während der Zeit beim ambulanten Betreuten Wohnen. Durch die rechtliche Betreuung werden Herr Wissel und sein Kollege vermittelt, um die Klientin in verschiedenen Angelegenheiten zu unterstützen. Im Interview spricht Herr Wissel zudem über das Nähe- und Distanzverhältnis zum Fall.
Sebastián García López
Eine Studierende beschreibt im Rahmen ihres Praktikums eine Situation, die sich in einer Tagesgruppe mit Sebastián während der Lernzeit mit anschließendem Gespräch ereignet. Neben Hintergrundinformationen zur Familie stehen Themen wie Leistungsdruck, Sprache und mögliche häusliche Gewalt im Raum.
Theo Kettler
Die Mitarbeiterin Manuela Haupt erzählt, am Beispiel des zehnjährigen Theo, wie sie in einem ländlich gelegenen Kinder- und Jugendtreff arbeitet und ihre Leitlinien im Umgang mit den Kindern umsetzt. Theo eckt häufig an, ist impulsiv und sensibel. In der Schule gilt er als verhaltensauffällig. Manuela führt sowohl mit der Mutter als auch einer Lehrerin von Theo Gespräche, um Theo bestmöglich zu unterstützen, seinen Platz zu finden.
