Anton Peters
Eine Sozialarbeiterin verschriftlicht retroperspektiv einen Fall: Anton Peters lebt seit seinem 3. Lebensjahr allein mit seiner Mutter in einer 3-Zimmer-Wohnung, der Kontakt zum Vater besteht seitdem nicht mehr. Nach der Krebsdiagnose und des sich zunehmend verschlechternden Gesundheitszustands der Mutter sowie Antons Wunsch seine Mutter bis zum Tod zu begleiten, ziehen beide gemeinsam in ein Hospiz. Anton hat sowohl Kontakt zu einem Schulsozialarbeiter als auch über das Jugendamt mit einer Familienhelferin. Nach vier Wochen verstirbt die Mutter, sodass Anton in eine stationäre Jugendhilfeeinrichtung kommt.
Cem Çetin
Im Rahmen eines Praktikums in einer Grundschule einer Kleinstadt berichtet eine Studierende über Cem Çetin. Dieser sei vor circa drei Jahren mit seinen Eltern von der Türkei nach Deutschland geflüchtet. Aufgrund von Sprachbarrieren und Verhaltensauffälligkeiten wurde er trotz seines schulpflichtigen Alters als noch nicht schulreif eingestuft.
Dario Demir
Im Rahmen ihrer Arbeit in einer Tagesgruppe verschriftlicht eine Sozialarbeiterin im Anerkennungsjahr einen Fall: Dario ist 2008 geboren, hat eine ältere Schwester und eine jüngere Halbschwester. Die familiäre Situation ist u. a. geprägt von der Alkoholabhängigkeit und zeitweisen Arbeitslosigkeit der Mutter. Kurzzeitig nimmt die Mutter eine Sozialpädagogische Familienhelfer:in sowie Erziehungsbeistand an. Dario wird in Obhut genommen und zeitweise fremduntergebracht, dann wieder zurückgeführt und in eine Tagesgruppe aufgenommen.
Emil und Martin Scholz
Im Rahmen eines Praktikums in einer Kindertagesstätte einer mittelgroßen Stadt, berichtet eine Studierende über zwei Brüder (Emil und Martin). Emil zeigt zunehmend auffällige emotionale Reaktionen, kotet sich regelmäßig ein und äußert, dass der Papa ihn immer hauen würde. Martin wird als schüchterner Junge eingeschätzt. Die Mutter leidet an Multipler Sklerose (MS), der Vater wird als streng, überfordert und aufbrausend beschrieben. Die Situation zwischen Vater und Großmutter würde die Dynamik innerhalb der Familie weiter erschweren. Schließlich wird eine Kindeswohlgefährdungseinschätzung von der Kita-Leitung (IseF) und der Praktikantin gemacht.
Familie Gärtner
Die Sozialpädagogische Familienhelferin Kristin Albert erzählt von einem Vater der sich beim Jugendamt mit der Bitte um Unterstützung meldet: Seine Kinder sind neun, sechs und ein halbes Jahr alt, ihre Mutter und seine Ehefrau ist alkoholabhängig und psychisch krank.
Familie Gutierrez
Der Mitarbeiter des Sozialdienst einer Justizvollzugsanstalt erzählt den Fall einer Familie (Mann, Frau und Kind) aus Mexiko, die für Dritte Betäubungsmittel illegal über Deutschland in ein anderes europäisches Land transportieren und dabei festgenommen werden. Der Mann hatte in Mexiko seine Arbeit verloren.
Familie Lombe
Die Fallakte dokumentiert einen Hilfeverlauf in dem sich die alleinerziehende Frau Lombe ans Jugendamt wendet: ihr neunjähriger Sohn Gideon zeige sich in der Schule auffällig, frage oft nach seinem Vater, den er nicht kenne und der keinen Kontakt zu seinem Sohn wünsche. Gideon sei einerseits sehr zuverlässig und hilfsbereit, andererseits zeige er aggressives Verhalten und sei belastet. Gideon ist staatenlos, seine Mutter schränkt seine Bewegungsfreiheit ein, weil sie befürchtet, dass er bei einer Kontrolle abgeschoben werden könnte. Frau Lombe ist derzeit im 8. Monat schwanger, muss viel liegen und leidet unter Erschöpfung, ein jüngerer Sohn wächst bei seiner Großmutter in Kamerun auf.
Familie Twesigye
Eine Studierende der Sozialen Arbeit beschreibt den Fall der von Frau Twesigye, die mit ihrem vierjährigen Sohn aus Ostafrika eingewandert ist. Im Rahmen einer Bildungsmaßnahme wirkt Frau Twesigye immer wieder abwesend, lethargisch und hat Gedächtnislücken. Die Fachkräfte schalten das Jugendamt ein, Frau Twesigye wird in eine Klinik eingewiesen und ihr vierjähriger Sohn in einer Pflegefamilie untergebracht.
Fatima Deh
Zoe-Maria Schott, Mitarbeiterin des Fachberatungsdienstes Migration, berichtet von der Lebenssituation und dem Beratungs- und Unterstützungsprozess der Klientin Fatimata Deh. Die Senegalesin lebt seit 2020 in Deutschland, drei ihrer insgesamt sieben Kinder leben in Senegal, vier bei ihr in Deutschland. Der Vater des jüngsten Kindes und ihr Partner lebt seit zwei Jahren illegal in Deutschland und nimmt zunehmend an den Beratungstreffen teil. Zentrale Themen sind die sich verändernde Lebenssituation von Fatimah, ihrer Familie insgesamt und der Einfluss des illegalen Status ihres Partners auf die Lebenssituation aller Beteiligten.
Frieda Weinart
Die Fachkraft Lena Schwert erzählt von der 13-jährigen Frieda und ihrer Familie, die sie seit drei Jahren als Erziehungsbeiständin begleitet: Die berufstätigen Eltern nehmen Kontakt mit dem Jugendamt auf, weil Frieda, die jüngere ihrer beiden Töchter, der Schule zunehmend fernbleibt, seit der Präsenzunterricht nach der Covid-19-Pandemie wieder aufgenommen wurde. Die Eltern erhalten Unterstützung durch eine systemische Beratung. Lena Schwert begleitet vor allem Frieda, auch während diese vollstationär in psychiatrischer Behandlung, dann in einer Tagesklinik ist, eine ambulante Therapie aufnimmt, eine Sonderschule besucht und eine Wiedereingliederung in die Regelschule folgt.
Jonas Stein
Eine Sozialarbeiterin verschriftlich retroperspektiv einen Fall: Eine Pflegemutter wendet sich zum Jugendamt und bittet um Hilfe, da sie nicht mehr die Betreuung von Jonas (9 Jahre alt) übernehmen kann und will. Dieser ist seit seinem dritten Lebensjahr bei der Pflegefamilie, deren Alltag sich inzwischen insofern verändert hat, dass der Pflegevater einen Schlaganfall hatte und seitdem selbst auf Hilfe durch die Frau (Pflegemutter) angewiesen ist. Jonas leibliche Mutter ist alkoholabhängig und konnte trotz mehrfacher Versuche nach einem Entzug abstinent zu leben den Anforderungen an eine gefährdungsfreie Elternschaft nicht gewährleisten. Der Vater ist unbekannt.
Katja Novak
| Eine Fachkraft des betreuten Wohnens und eine Pflegefachkraft der Psychiatrie berichten unabhängig voneinander über denselben Fall: Katja Novak, geboren 1969, zieht in ihrer Kindheit gemeinsam mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter zurück nach Slowenien. Grund hierfür ist die Ermordung von Katjas Vater durch ihre Mutter. Später heiratet Frau Novak, die Ehe wird jedoch aufgrund des Ehebruchs ihres Mannes geschieden. Aus dieser Beziehung gehen drei Kinder hervor. In Deutschland lebt sie mit einem neuen Partner zusammen, mit dem sie ein weiteres Kind bekommt. Nachdem die Tochter der Klientin berichtet, dass dieser Partner sie jahrelang sexuell missbraucht hat, wird Katja Novak schwer depressiv und lässt sich in die Psychiatrie einweisen. Bei Katja Novaks Schwägerin wachsen dauerhaft die Kinder auf. Neben den psychischen Belastungen hat Frau Novak auch verschiedene körperliche Beschwerden. |
Luka Schneider
Eine Fachkraft des betreuten Wohnens und eine Pflegefachkraft der Psychatrie berichten unabhängig voneinander über einen Fall: Luka Schneider (*1978) wurde ein Jahr vor dem Interview an das ambulante betreute Wohnen vermittelt. Er lebt mit psychischen Erkrankungen, einer Behinderung sowie zyklischen Drogenrückfällen. Als Kind wurde er durch seinen Vater misshandelt. Nach dem Tod seiner Mutter wuchs er im Heim auf. Kontakt zu seiner Familie hat er nicht mehr. Früh begann er mit Drogenkonsum und Dealerei, verlor seine Wohnung und seine Ausbildung und war drei Jahre obdachlos. Eine Inhaftierung und Haftstrafe von sieben Jahren erfolgt aus unterschiedlichen Gründen. Luka Schneider möchte, sobald sich seine psychische Verfassung stabilisiert hat, eine besondere Wohnform in einer anderen Stadt anstreben und arbeiten.
Mika und Dani Soren
Eine Studierende der Sozialen Arbeit beschreibt den Fall der Brüder Mika und Dani Soren, die aufgrund familiärer Gewalt im Rahmen einer Inobhutnahme in einer vollstationären Wohngruppe aufgenommen werden. Im weiteren Verlauf kommt es zu Konflikten und (körperlichen) Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern, aber auch zwischen Mika und den anderen Kindern und Fachkräften der Einrichtung.
Nassima Bouziane
Eine Sozialarbeiterin der Wohnungslosenhilfe (Jessica Evans) schildert den Unterstützungsprozess einer Frau, die in ihrer aus Algerien arrangierten Ehe häusliche Gewalt erlebt. Durch ihre Hausärztin wird sie an eine Bekannte vermittelt, bei der sie zunächst unterkommt und die den Kontakt zur Wohnungslosenhilfe herstellt. Die Unterstützung umfasst unterschiedliche Themen und Hilfestellungen, die von Wohnungssuche, ambulantes betreutes Wohnen, Beantragung des Aufenthaltsrechts in Deutschland, bis Bürgergeld, Therapien oder die Begleitung zur Opferschutzberatung hinreichen. Dabei geht es immer wieder um Sprachbarrieren aufgrund eingeschränkter Deutschkenntnisse.
Sayra Moradi
Der Sozialarbeiter vom Betreuten Wohnen, Jakob Wissel, skizziert den Verlauf eines Falls, bei dem die etwa dreißigjährige iranische Sayra Moradi den Weg von ihrer Ohnmacht zur Selbstbefähigung geht. Sayra Moradi hat verschiedene Gewalttaten und Traumata erlebt, darunter Vergewaltigungen, Kriegs- und Fluchterfahrungen sowie eine Fehlgeburt. Probleme mit der Wirbelsäule, Adipositas und Gebissprobleme veränderten sich ebenfalls während der Zeit beim ambulanten Betreuten Wohnen. Durch die rechtliche Betreuung werden Herr Wissel und sein Kollege vermittelt, um die Klientin in verschiedenen Angelegenheiten zu unterstützen. Im Interview spricht Herr Wissel zudem über das Nähe- und Distanzverhältnis zum Fall.
Sebastián García López
Eine Studierende beschreibt im Rahmen ihres Praktikums eine Situation, die sich in einer Tagesgruppe mit Sebastián während der Lernzeit mit anschließendem Gespräch ereignet. Neben Hintergrundinformationen zur Familie stehen Themen wie Leistungsdruck, Sprache und mögliche häusliche Gewalt im Raum.
Theo Kettler
Die Mitarbeiterin Manuela Haupt erzählt, am Beispiel des zehnjährigen Theo, wie sie in einem ländlich gelegenen Kinder- und Jugendtreff arbeitet und ihre Leitlinien im Umgang mit den Kindern umsetzt. Theo eckt häufig an, ist impulsiv und sensibel. In der Schule gilt er als verhaltensauffällig. Manuela führt sowohl mit der Mutter als auch einer Lehrerin von Theo Gespräche, um Theo bestmöglich zu unterstützen, seinen Platz zu finden.
